Ich weiß, ich weiß, ich bin ja selbst schuld – dass ich so viele Werbe-eMails bekomme. Wahrscheinlich ist mein gutmütiger Charakter dafür verantwortlich: Ich kann halt nicht „Nein“ sagen, wenn ich aufgefordert werde, Cookies zu akzeptieren. Doch damit soll jetzt Schluss sein.
Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, zum Cookie-Rebellen zu mutieren. Ab dem 1. Januar 2026 werde ich allen halbseidenen e-Commerce-Agenten den Stinkefinger zeigen und ein energisches „No, never – nur über meine Leiche!“ entgegenschmettern. Cookies müssen dann draußen bleiben: Kein Zutritt mehr!
Allerdings befürchte ich, dass es zukünftig deutlich weniger unterhaltsamer sein wird, wenn ich meine eMails checke. Denn viele dieser Werbe-Nachrichten, die – vor allem in der Adventszeit – zu mir herein geflutet sind, verdienen die Auszeichnung „Crazy“. Andere sind zum Schreien komisch oder einfach herrlich unpassend.
Natürlich gibt es auch die stinknormalen Marketing-Botschaften, darunter News von Absendern wie zum Beispiel „Luise von brillen.de“. Leider hat Luise nie ein Foto von sich mitgeschickt. Dafür trudelte von der Lady erst kürzlich ein zündendes Angebot bei mir ein: der „Knaller zum Jahresende“. Nein nein, kein Kanonenschlag aus Polen oder China-Mega-Böller ist hier gemeint, sondern eine Gleitsichtbrille. Ein glatter Rohrkrepierer!
Ganz schön verrückt war die Offerte von „Pearl“. Der Versender pries eine „digitale e-Parkscheibe“ an – mit „Erschütterungssensor“! Doch auch trotz anständiger „-70%“ parke ich lieber analog – und bleibe unerschütterlich.
Ein paar Tage vor Heilig Abend erreichte mich eine Mail von „OBI“ – mit der frohen Botschaft „Dein Weihnachten machbar“. Ich fragte mich, ob das Weihnachtsfest komplett ausfällt, wenn ich nicht sofort zu OBI pilgere und den großen Einkaufswagen fülle. Aber dann dachte ich: So viel Einfluss auf alte, bewährte Traditionen und Rituale (Schlemmen, Trinken, Christbaum verunstalten, Geschenke umtauschen etc.) kann in Germania kein Baumarkt-Konzern haben.
„Tchibo.de“ war übrigens auch noch im elektronischen Werbe-Rennen um das besondere Weihnachtsgeschenk und versprach „Große Freude“ – mit dem „XG03“. Was zum Teufel ist ein „XG03“? Mein Recherche ergab: eine Smartwatch für Kinder. Bedauerlicherweise hatte ich zu diesen Zeitpunkt bereits ein Weihnachtsgeschenk für meinen (längst erwachsenen) Sohn erworben: eine elektronische Eieruhr.
Neben einer „persönlichen Einladung zum Mini-Hörgerätetest", Offerten von elektronischen Rollstuhl-Herstellern, Treppenlift-Firmen und Unternehmen , die weitere geriatrische Schmankerln im Programm hatten, landeten in meinem eMail-Postfach noch zahlreiche Angebote für energieeffizienteres Wohnen. Allerdings erlaubt mir mein Vermieter weder die Installation von Dach-Solar-Panels noch das Aufstellen einer Wärmepumpe.
Zum Schluss möchte ich hier noch meine beiden liebsten eMail-Werbe-Botschaften offenbaren. „Wein & Vinos“ versprach mir für Weihnachten „alkoholfreien Festtagsgenuss“ (hohoho, geht das überhaupt?). Und „CHECK24“ überraschte mich mit „neuen Hotel-Blitzdeals“. Mit einem wirklich sagenhaften „10% Extrarabatt“. Da ich nach kurzer Überlegung zu dem Schluss gelangte, dass diese Monsterersparnis höchstwahrscheinlich nicht für Stundenhotels gelten würde, verlor ich schnell das Interesse an dieser Offerte.